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Luzian Bouvier tolle Ergebnisse bei Berufswettbewerben

lucianbouvier_007 Luzian Bouvier tolle Ergebnisse bei Berufswettbewerben
Das ordentliche Büro und das sichere und gepflegte Auftreten von Gerd Jehle verraten, dass er sich in seiner Rolle als Prokurist und Lehrlingsbeauftragter wohlfühlt. Seine zwei Meisterbriefe an der Wand und der feste, natürliche Händedruck verweisen auf eine Vergangenheit ohne Stempelkissen und Leitz-Mappen. „Wenn ich mich nur besinne, was hier für Burschen reingekommen sind, um eine Lehre zu beginnen: So klein, so schmal“, erklärt Jehle gestikulierend: „und das sind heute gestandene Männer geworden.“

Das Unternehmen aus dem Oberland Luzian Bouvier ist ein Tiroler Familienunternehmen, das in den Bereichen Heizung, Bäderbau, Lüftungs- und Klimaanlagenmontur tätig ist. Gegründet wurde die Firma vor 90 Jahren und beschäftigt heute ungefähr 250 Mitarbeiter an sechs Firmensitzen. In Zams, Pflach, Ried, Telfs, Kappl und Imst sieht man das Logo der Firma auf einer Filiale, doch auch die Betriebe Stockhammer, Auer und Airtech mit insgesamt etwa 150 Mitarbeitern gehören dazu.

„Wir brauchen immer noch mehr Leute“, beharrt Gerd Jehle, in seinem Stuhl zurückgelehnt. Kürzlich musste die Firma sogar Leiharbeiter anstellen, weil sie mit dem Arbeitsaufwand kaum zurechtkam. Die wirtschaftliche Lage erlaube keine Pausen, der Bau boome seit zwei Jahren und kein Ende sei in Sicht. Das wirke sich auch auf die Ausbildung von Lehrlingen aus. Denn nicht nur auf Baustellen hat sich der Betrieb einen Ruf erworben, auch als Ausbildungsort ist er einer der gefragtesten Namen Tirols.

Beachtliche Erfolge bei internationalen Berufswettbewerben:

Zwei Europameistertitel tragen den Namen der Firma, und Armin Taxer holte 2017 sogar den Weltmeistertitel nach Tirol. „Die Wettbewerbe bedeuten was, doch sie werden überbewertet“, versichert Jehle: „Sie sind natürlich eine Bestätigung für die gute Arbeit, die wir leisten.“ Zurzeit bildet Luzian Bouvier 27 Lehrlinge aus. „Viel zu wenig“, widerspricht Jehle. Der Ernst ist ihm anzuhören: „Ich kann mich an Zeiten erinnern, als wir 50 hatten. Das ist heute leider undenkbar“, gibt er etwas enttäuscht zu.

Tiroler Unternehmen benötigen Lehrlinge

Über die Gründe, warum die Zahl der Lehrlinge so drastisch zurückgegangen ist, ließe sich lange und breit diskutieren: Geburtenschwache Jahrgänge seien sicher ein wichtiger Grund, auch der hohe Druck auf den Baustellen, da sei es ähnlich wie in der Hotellerie. Doch einiges wäre auch auf die mangelnde Attraktivität der Jobs zurückzuführen, was er sehr schade findet: „Viele Eltern wollen heutzutage, dass ihr Kind so lange wie möglich zur Schule geht und eventuell sogar studiert, anstatt einen Beruf zu erlernen.“ Unwissenheit ist hier laut Jehle das größte Problem: „Die 15-Jährigen wissen gar nicht, was sie erwartet, und können sich nicht richtig entscheiden.“

Information sei notwendig, und deswegen schlägt er vor, in der Mittelschule ein verpflichtendes einwöchiges Lehreschnuppern zu veranstalten. „So bekommt man einen guten Einblick und macht sich selbst ein Bild vom Beruf, anstatt auf Leute zu hören, die wenig wissen.“ Falls jemand einen Tipp habe, wie man mit dem Fachkräftemangel umgehen solle, wäre er froh, er wisse es nämlich nicht.

Sicherer Arbeitsplatz ist garantiert

Alle Unternehmen suchen neue Mitarbeiter. Es werde kaum noch Werbung gemacht: „Jede Werbefläche wird als Stellenanzeige genutzt“, bemerkt Jehle lachend. Feinheiten, die viel bedeuten Luzian Bouvier garantiert seinen Lehrlingen eine Anstellung nach absolvierter Lehre. Für die Auszubildenden ist stets ein Betreuer verantwortlich, doch auch die Chefetage hat immer ein offenes Ohr. Außerdem hat das Unternehmen eine eigene Lehrlingswerkstatt eingerichtet. „Hier kann das geübt werden, wofür auf der Baustelle wenig Zeit bleibt“, sagt Jehle.

Bei Urlaubszeiten ist man flexibel, und Fleiß werde sowohl auf der Baustelle als auch in der Schulbank stets belohnt, bis hin zur Finanzierung des Führerscheins. Dennoch stellt sich die Frage, was das Unternehmen anders macht. „Ich glaube nicht, dass wir unbedingt ein Geheimrezept haben“, erklärt Jehle nüchtern: „Unsere Firma ist groß und wir können unseren Mitarbeitern vielseitige Aufstiegsmöglichkeiten bieten, kleinere Unternehmen können das nicht.“

Wenn Installateure guten Umgang mit Kunden und wirtschaftliches Verständnis beweisen, arbeiten sie als Filialleiter im Verkauf, hier ist man pragmatisch. Auch in den Büros sitzen mehrheitlich ehemalige Lehrlinge, die Baustellenerfahrung haben und die Arbeit „im Feld“ kennen. „Viele Eltern pochen bei ihren Kindern auf die Matura, doch ich glaube, dass das nicht notwendig ist.

Ein guter Monteur beispielsweise wird bald gefragter sein als ein Jurist“, so Jehle.

Er bedauere, dass Büroarbeitskräfte besser bezahlt werden als Leute auf der Baustelle. Aber inzwischen lässt sich eine Entwicklung in die andere Richtung beobachten: „Zurzeit kämpfen Leute noch dafür, im Büro arbeiten zu dürfen. Das wird bald anders sein.“

Hier findest Du nähere Infos über den Lehrbetrieb Luzian Bouvier!

Dieser Artikel ist in der top.tirol Ausgabe Oktober 2018 erschienen. Weitere spannende Wirtschaftsgeschichten kannst Du in Tirols Wirtschaftsmagazin top.tirol lesen.

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