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Die Lehre in den Mittelpunkt der Wirtschaft rücken

Christoph_Walser  Die Lehre in den Mittelpunkt der Wirtschaft rücken

Christoph Walser ist Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer und hat selbst die Lehre zum Speditionskaufmann absolviert. Mit Lehre in Tirol spricht er über seine Pläne für die Aufwertung der Lehre und warum Spaß die Grundlage für die Karriereentscheidung sein soll.

Sie haben selbst eine Lehre als Speditionskaufmann gemacht. Würden Sie sich heute wieder für diesen Weg entscheiden?

Christoph Walser: Ja, auf jeden Fall. Ich hätte, wie meine älteren Geschwister, die Matura machen sollen. Ich bin zwei Jahre ins BORG Volders gegangen und habe die Schule dann abgebrochen. Ich wollte etwas Praktisches machen und habe mich dann für die Lehre zum Speditionskaufmann entschieden. Ich war vom ersten Tag an glücklich. Mir hat dieser Beruf so gut gefallen. Ich war begeistert, den ganzen Tag im Betrieb gefordert zu werden. Auch die Ausbildung an der Berufsschule fand ich super. Ich würde es wieder gleich machen.

Wie kann es gelingen, die Lehre als Karriereweg zu stärken und als gleichwertige Alternative zum Schulsystem zu etablieren?

Seit meinem Amtsantritt als Wirtschaftskammerpräsident habe ich versucht, die Lehre wieder in den Mittelpunkt der Wirtschaft zu rücken. Die Kampagnen der Kammern wie „Mei Madl, mei Bua“ und des Landes fruchten mittlerweile. Die Lehrlingszahlen steigen wieder und es ist auch in der Gesellschaft angekommen, dass es etwas Tolles ist, eine Lehre zu machen. Es braucht aber noch einige Reformen, um diesen Trend langfristig zu festigen und zu gewährleisten, dass man auch mit der Lehre die Möglichkeit hat, in höhere Qualifikationsstufen zu kommen, die ein Studium ermöglichen und den akademischen Abschlüssen gleichgestellt ist. Das noch Wichtigere ist aber, dass es zwischen beiden Systemen eine Durchlässigkeit gibt. Wenn jemand die Qualifikation des Baumeisters hat, dann soll er auch die Möglichkeit haben, Architektur zu studieren. Es soll keinen Unterschied machen, ob ich mich mit 14 für die Schule oder die Lehre entscheide. Es muss über beide Wege möglich sein, langfristig erfolgreich zu sein.

Wie kann sichergestellt werden, dass dies auch in den Köpfen der Eltern und Auszubildenden ankommt?

Es muss in den Köpfen der Eltern verankert werden, dass eine gute Lehrausbildung etwas Cooles und Erstrebenswertes ist. Unser Ziel ist, dass, wenn jemand einen Beruf oder ein Handwerk erlernt, Lehrling und Eltern stolz darauf sind. Wir versuchen ganz stark in den Schulen aktiv zu sein und sie zu überzeugen, dass dies ihr Lebensweg sein kann, und appellieren auch an die Eltern, die Talente und Veranlagungen ihres Kindes ins Zentrum der Entscheidung zu stellen.

Haben Sie das bei Ihren eigenen Kindern auch so gehandhabt?

Ja, absolut. Mein ältester Sohn wird jetzt bald 18. Er war immer mehr der Praktiker und hat auch von Anfang an gesagt, dass er lieber arbeiten gehen will. Er macht die Ausbildung zum Kraftfahrzeugtechniker. Unser zweiter Sohn ist mehr der Typ für die Schule und geht jetzt HTL. Wir haben gemeinsam mit unseren Kindern entschieden und ihrer Veranlagung entsprechend. Es muss zum Kind passen und ihm Spaß und Freude machen.

Was raten Sie jungen Menschen, die sich gerade entscheiden, ob sie eine Lehre machen oder weiter in die Schule gehen wollen?

Ich würde ihnen raten, darüber nachzudenken, was sie lieber machen wollen, was ihnen besser liegt und wo sie mehr Spaß haben. Wenn jemand ungerne arbeiten geht oder ungerne in der Schule sitzt, dann bringt das nichts und war die falsche Entscheidung. Es ist schrecklich, einen Beruf zu lernen, der einem keine Freude macht, es ist aber gleich schlimm, in der Schule zu sitzen, wenn man sich dort nicht wohl fühlt. Sie sollen selbst entscheiden, was für ein Typ sie sind und wo sie hinwollen.

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Quelle: Lehre in Tirol 2020

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