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Aus der Praxis: Eine Lehre nach der Matura

Annina_Ecker Aus der Praxis: Eine Lehre nach der Matura

Lebenslanges Lernen

Eine Lehre nach der Matura zu beginnen, wird weithin als ungewöhnliche Entscheidung gesehen. Annina Ecker weiß aber die praktischen Vorzüge der Lehre zu schätzen. Nachdem Annina Ecker die Matura gemacht hatte, begann sie ein Chemiestudium. Dieses brach sie ab, weil ihr die Ausbildung zu theoretisch war. Eine Lehre in einem großen Pharmakonzern konnte sie auch nicht begeistern, da sie sich in der Branche in Zukunft nicht wiederentdecken konnte. Die praktische Ausbildung zur Webentwicklerin und Coderin bei Styleflasher in Wörgl erwies sich aber als „absolut richtige Entscheidung“, wie die Kufsteinerin heute meint.

Den Nagel auf den Kopf Styleflasher ist eines der ersten Tiroler Webentwicklungs-Unternehmen überhaupt. Schon Anfang der Nullerjahre gründete Markus Gwiggner zusammen mit seinem Geschäftspartner Andreas Adelsberger die Firma in Wörgl, die fortan Websites und Onlineshops erstellen sollte. An einem der acht Arbeitsplätze im Büro sitzt heute Annina Ecker. Sie ist, so erklärt Markus Gwiggner, bereits der fünfte auszubildende Lehrling im Unternehmen. Lange Zeit gab es keinen passenden Namen für den Beruf: Was zuerst die Mediendesign-Lehre war, wurde zur Informatik-Lehre, und heute „trifft die Bezeichnung Applikationsentwicklung und Coding den Nagel auf den Kopf“, erklärt Gwiggner.

Die Henne im Korb

Annina ist die erste vollzeitangestellte Frau im Unternehmen. „Die IT-Branche ist sehr männerlastig“, erklärt Gwiggner. Mädchen sollten unbedingt ermutigt werden, vermeintliche Männerberufe in Betracht zu ziehen. Dafür müsste sich bereits in der Grundschulbildung viel tun. Die Klassenzimmer sollten allgemein digitaler und ein sinnvoller Umgang mit Medien gelehrt werden, meint der Geschäftsführer von Styleflasher. Annina fügt hinzu, dass viele Mädchen abgeschreckt sind, da sie Coding als viel zu mathematisch sehen: „Der Beruf ist aber so vielfältig und es gibt sehr viele Zugänge zum Codieren, dass das niemanden abschrecken sollte“, versichert Annina. Im Grunde sei sie eine Bastlerin, und ihr Job sei es, kreativ zu sein: „Es hat im Grunde mehr mit ästhetischem Empfinden und Problemlösen zu tun, als mit Mathematik“, erklärt Annina.

Experte sein

Dass sie heute eine Lehre bei Styleflasher macht, sieht Gwiggner in mehrerlei Hinsicht positiv: „Wenn Leute von der Uni kommen und während des Studiums nicht gearbeitet haben, brauchen sie ein halbes bis ganzes Jahr Eingewöhnungszeit. Ein auszubildender Lehrling jedoch bekommt die Praxis von Anfang an mit.“ Annina Eckers Lehre dauert in der Regel vier Jahre. Da sie aber bereits die Matura gemacht hat, wurde individuell vereinbart, ihre Lehrzeit auf drei Jahre zu verkürzen. Sie ist mit ihrer Entscheidung mehr als nur zufrieden. Dass die Lehre aber in der Gesellschaft weiterhin einen schlechten Ruf genießt, ärgert die Kufsteinerin: „Das muss sich unbedingt ändern.“ Während ihrer kurzen Lehrzeit habe sie sehr viel gelernt. Die wichtigste Lektion aber sei die Gewissheit, dass sie nicht studieren muss, um eine Expertin auf einem Gebiet zu sein. Sie müsse einfach nur bereit sein, immer weiter zu lernen. Ein Leben lang.

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Quelle: Lehre in Tirol 2020

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