Elisa auf dem Dach

Nachdem sie in so manch anderen Beruf reingeschnuppert hatte, hat sich Elisa Pöltl für eine Lehre zur Rauchfangkehrerin entschieden. Damit zeigt die 17-Jährige Wipptalerin, dass die Arbeit eines Schornsteinfegers keine reine Männersache sein muss.

Es ist 7 Uhr früh. Während andere noch wohlig schlummern, ist Elisa Pöltl nicht nur schon auf den Beinen, sondern bereits fleißig bei der Arbeit. Und für diese steigt die 17-Jährige anderen regelmäßig aufs Dach – und zwar buchstäblich, denn Elisa ist Lehrling beim Rauchfangkehrerunternehmen Konrad Henökl in Steinach am Brenner.

Viel ausprobiert

Mittlerweile befindet sich die gebürtige Wipptalerin aus St. Jodok am Brenner im dritten Lehrjahr, und sie könnte, wie sie sagt, nicht glücklicher über die von ihr getroffene Wahl sein. „Ich war viel schnuppern und habe so einige Sachen ausprobiert“, erzählt sie. „Unter anderem war ich bei einem Friseur, in einem Hotel, in einem Kindergarten und im Alpenzoo.“
Dann sei sie jedoch über eine Zeitungsannonce auf die Lehre als Rauchfangkehrerin aufmerksam geworden und habe beschlossen, auch das mal zu versuchen. „Ich hätte selbst eigentlich nie gedacht, dass ich mal in diesem Bereich landen werde“, sagt Elisa. „Aber mir hat das Schnuppern dort so gut gefallen, dass ich am Ende halt dabei geblieben bin.“

An der frischen Luft

Elisas Aufgaben als Rauchfangkehrerin sind überaus vielfältig, der Job selbst sowohl in körperlicher als auch technischer Hinsicht anspruchsvoll. Das Reinigen der Rauchfänge am Dach stellt dabei nur einen Teil des Tätigkeitsbereichs dar: Die Wartung und Säuberung verschiedenster Feueranlagen, vom Küchenherd und Einzelöfen bis hin zu modernsten Zentralheizungen mit Öl-, Gas- oder Pelletsbrennstoffen, gehört ebenso dazu wie diverse Überprüfungen, Abnahmen, Messungen und Kontrollen – vor allem hinsichtlich Umwelt- und Brandschutz.
„Mir gefällt an dem Beruf vor allem, dass man täglich Kontakt zu anderen Menschen hat und viel an der frischen Luft arbeitet“, erklärt Elisa, die im Rahmen ihrer Tätigkeit immer wieder auf Hausdächern unterwegs ist. Dass die Arbeit als Rauchfangkehrer in Tirol vorwiegend von Männern ausgeübt wird und der Frauenanteil in dieser Sparte eher gering ausfällt, hat für Elisa nie eine Rolle gespielt – sie habe sich eigentlich nie Gedanken darüber gemacht, wie sie sagt: „Als Rauchfangkehrerin muss man gut mit Leuten umgehen können und darf natürlich keine Höhenangst haben. Ansonsten können das Mädchen genauso gut wie Burschen machen.“

Nicht die Letzte

Konrad Henökl, Chef von Elisa, zeigt sich jedenfalls sehr angetan von seiner Lehrlingsdame. Sie ist, nach insgesamt 13 Vorgängern, das erste Mädchen, dass Henökl ausbildet, soll aber definitiv nicht das letzte im Betrieb sein. „Ich war anfangs etwas skeptisch, was Mädchen in diesem Job betrifft“, gibt Henökl zu. „Aber Elisa hat mir in dieser Hinsicht definitiv die Augen geöffnet: Sie ist sehr fleißig, steigt auf jedes Dach und hat keine Angst davor, sich die Hände schmutzig zu machen.“
Nicht nur deshalb hofft Henökl, dass Elisa, wie alle seine bisherigen Lehrlinge, langfristig im Betrieb bleiben wird. Und die Chancen dafür stehen offenbar nicht schlecht, wie Elisa selbst sagt: „Es gibt derzeit nichts, was mich sonst so interessieren würde. Deshalb möchte ich das auf jeden Fall weitermachen.“

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„Ich hätte selbst eigentlich nie gedacht, dass ich mal in diesem Bereich landen werde.“ Elisa Pöltl, Rauchfangkehrer-Lehrling